Justus fährt zur Deutschen Meisterschaft


Justus Lumma wird die Farben des TuS Varrel bei der DEM 2021 vertreten. Im Qualifikationsturnier am Wochenende setzte sich Justus als einziger der drei Varreler Starter durch.

Die Bremer Meisterschaften in den Osterferien mussten aus nachvollziehbaren Gründen auch im Jahr 2021 ausfallen, ebensowenig konnten die Deutschen Meisterschaften wie geplant über Pfingsten stattfinden. Ende der Sommerferien sollen diese nun aber im hessischen Willingen nachgeholt werden, und erfreulicherweise erlaubte die Entwicklung der Inzidenz in Bremen auch die Durchführung eines Qualifikationsturniers.

Natürlich waren auch einige Varreler Spieler am Start und versuchten, eines der begehrten Tickets zu ergattern. Dazu musste man zunächst vom Vorstand der Bremer Schachjugend als einer der besten Spieler seines Jahrgangs für das teilnehmerbeschränkte Turnier nominiert werden und anschließend noch zwei Matches gewinnen, ein Halbfinale am Samstag und ein Finale am Sonntag.

Dabei ging es gut los: Justus hatte dank seiner hohen DWZ am Samstag ein Freilos. Toms Gegner musste am Freitagabend leider spontan absagen. Und Max gewann sein Halbfinale gegen den Delmenhorster Dennis Wander. In der ersten Begegnung gelang ihm sogleich ein Sieg mit den schwarzen Steinen, als sich sein Angriff bei ungleichen Rochaden als gefährlicher entpuppte. In der zweiten Partie ließ Max dann mit Weiß nichts anbrennen und sicherte sich durch ein Remis im Turmendspiel den Sieg. 1,5 : 0,5, also durften alle drei am Sonntag (wieder)kommen.

Am Samstag war Max als einziger Varreler Spieler vor Ort.


Justus spielte in der U12 gegen den Werderaner Jan Finnian Halich. Die beiden trennten zwar etwa 500 DWZ-Punkte, doch sind diese Zahlen natürlich in der Regel mehr als zwölf Monate alt und dementsprechend nur sehr bedingt aussagekräftig. Bei Werder Bremen weiß man schließlich, dass der Verein auch in Zeiten des Lockdowns online eine Menge Trainingsangebote für seine Mitglieder geschaffen hat. Wir waren also gewarnt, den Gegner ernst zu nehmen. Aber auch wir haben natürlich in den letzten Monaten fleißig trainiert und Justus hatte sein Pensum in den letzten Tagen vor dem Turnier nochmal ein wenig erhöht.

Mit Weiß lief alles nach Plan. Justus konnte dem Gegner früh einen Doppelbauern verpassen und damit die Rochadestellung schwächen. Als dann die Schwerfiguren hinzukaman, war Matt unvermeidlich und Justus ging mit 1:0 in Führung. Nach kurzer Pause ging es mit den schwarzen Steinen weiter. Hier erwies sich Jan Finnian als zäher Gegner. Justus hatte bei ungleichen Rochaden seinen h- und g-Bauern geopfert, um Linien zum Angriff auf den weißen König zu erhalten. Doch nach dem Damentausch war der Fall alles andere als klar. Erst als Justus‘ Türme auf die zweite Reihe eindrangen, konnte er ein Remis erzwingen. Das reichte zum Weiterkommen und die paar verlorenen DWZ-Punkte holt er sich bestimmt bei nächster Gelegenheit zurück.

Genau wie bei Max zuvor eine sehr kluge, pragmatische Entscheidung, im K.O.-System im Falle einer Führung auch gegen nominell schwächere Gegner eine Stellungswiederholung zu forcieren und nicht mit Blick auf die Wertungszahlen unnötige Risiken einzugehen. Damit darf Justus Ende August nach Willingen reisen, herzlichen Glückwunsch!

Tom spielte in der U14 gegen den Topgesetzten Werderaner Samuel Pfeffer, der sich in den Vorjahren bereits mehrmals für die DEM qualifiziert hatte. Mit Schwarz erreichte Tom zunächst eine solide Stellung bei guter Entwicklung. Etwas früh geriet dann aber sein Turm bei ansonsten noch vollem Brett nach d4, wo er alsbald zum Angriffsziel wurde. Der Rückzug kostete Zeit, was schließlich in einen Bauernverlust mündete. Im Endspiel kämpfte Tom noch lange und versuchte, mit Springer gegen Läufer auf den weißen Feldern eine Blockade zu errichten. Doch Samuel bewies starke Technik und ging in Führung. Kein großer Rückschlag, schließlich folgte noch eine Weißpartie. Die Eröffnung lief sicher nicht so wie gewünscht und Tom fand sich mit lediglich zwei Bauern für eine Springer wieder. Doch ab diesem Zeitpunkt spielte Tom mit allem verbleibenden Material kraftvoll nach vorne, nutzte seinen Entwicklungsvorsprung für immer neue Drohungen und tatsächlich beging sein Gegner unter diesem Druck einen entscheidenden Fehler, der ihn einen ganzen Turm kostete. Wären Zuschauer erlaubt gewesen, hätten sie durchaus noch Sorge um Toms König haben können, der von zwei schwarzen Läufern und einem Turm in der Ecke gehalten wurde und kurz vor dem Matt stand. Doch Tom fand eine sehr clevere Abwicklung in ein Endspiel, welches er mit Qualität und zwei Bauern Vorteil mühelos gewann.

Ein starkes Comeback und zur Belohnung folgt nun ein Tie-Break mit verkürzter Bedenkzeit. Schnellschach jedoch ist nicht gerade Toms Paradedisziplin und trotz des psychologischen Vorteils, gegen einen nominell stärkeren Gegner nach Rückstand noch zum Ausgleich gekommen zu sein, konnte er in den beiden 15-Minuten Partien allenfalls Nadelstiche setzen. Am Ende siegte Samuel Pfeffer verdient  mit 3:1 nach Verlängerung. So knapp auszuscheiden ist immer extrem ärgerlich, aber Tom hat sich mehr als achtbar geschlagen und seinen Gegner in beiden Langzeitpartien vor ordentliche Probleme gestellt. Deshalb darf er mit seinem Turnier trotzdem zufrieden sein.

Seine beste Zeit erlebte Tom im ansonsten schon recht leeren Werder-Clubraum nicht. Aber mit einer starken Leistung bot er Samuel Pfeffer lange Zeit Paroli.


Die längste Partie des Vormittags spielt Max gegen den Topgesetzten U16-Spieler, Mohamad Alhamid vom Delmenhorster SK. Genau genommen lief diese Partie sogar noch, als in allen anderen Altersklassen bereits Hin- und Rückspiel beendet waren. Nach eineinhalb Stunden – zu diesem Zeitpunkt durfte Justus bereits jubeln – befanden sich Max und Mohamad gerade im neunten Zug. Beide hatten einander in der Eröffnung überrascht. Max nahm einen Bauern und sein Gegner versuchte, Kompensation nachzuweisen. Wenig überraschend lief es in dieser Partie auf eine Zeitnotphase hinaus, beide Seiten führten mit lediglich einigen Sekunden auf der Uhr den 40. Zug aus. Und weil es nach diesem sparsame 15 Minuten an Zuschlag gab, war die nächste Zeitnotphase bereits vorprogrammiert. Mittlerweile war ein Endspiel mit gleicher Bauernzahl entstanden, in dem die weißen Freibauern den gefährlicheren Eindruck vermittelten. Doch Max wird nicht umsonst von mir gerne als starker Endspielpraktiker bezeichnet. Tatsächlich schaffte er es nach viereinhalb Stunden Spielzeit, die beiden verbundenen weißen Freibauern zu bremsen, seine eigenen vorwärts zu schieben und mit Springer und Turm nebenbei noch ein paar Mattmotive zu kreieren. So war es am Ende ein schwarzer Bauer, der als erster die Grundreihe erreichte, und Max ging in Führung.

Nicht nur die Zahl der Teilnehmer war in Folge des Hygienekonzepts stark begrenzt, Eltern oder Betreuer waren diesmal im Spielsaal leider nicht zugelassen. Ich war in meiner Funktion als Schiedsrichter vor Ort, als solcher war ich aber neutral und durfte keine Trainertätigkeit ausüben. Aber Max wusste ja auch so, was zu tun war, mit Weiß reichte genau wie am Vortag ein Remis.

Keine einfach Aufgabe für seinen Gegner, der sich für die Sizilianische Verteidigung mit 2…a6 entschied. Sicherlich objektiv nicht die beste, aber eine in dieser Situation verständliche Wahl. Max erreichte zunächst eine völlig gesunde Stellung, um dann im elften Zug einzügig eine Figur einzustellen. Sein Läufer von f1 wurde nach c4 gezogen, ein natürlicher Entwicklungszug, sollte man meinen. Doch war er dort ungedeckt und nach einem Schachgebot der schwarzen Dame nicht mehr zu retten. So endete diese Partie abrupt und deutlich schneller als die erste. Eine bittere Niederlage ohne Frage, aber selbstverständlich nicht das Ende der Hoffnungen. Auch hier musste also die Entscheidung im Schnellschach fallen. Die Farben wurden neu gelost, Max begann mit Weiß. Diesmal entschied sich sein Gegner für 1…e5 und es entwickelte sich eine ganz andere, solidere Partie als zuvor. Im Mittelspiel gelang es Max, seine Dame zu zentralisieren, was ihm schließlich einen Bauerngewinn auf b7 bescherte. Nach einem weiteren Bauerngewinn versuchte Mohamad sein Glück im Gegenspiel gegen den weißen König. Dieses hätte Max unterbinden können, dafür aber Material zurückgeben müssen. Stattdessen schlug er, bereits in Zeitnot, mit der Dame einen weiteren Bauern auf c7, woraufhin Mohamad, selbst nur noch mit wenigen Sekunden auf der Uhr, ein Dauerschach gab. Wie beide nach der Partie feststellten, wäre stattdessen sogar ein Matt möglich gewesen. Also nochmal Glück gehabt.

Die finale Schnellschachpartie ging Max mit Schwarz aktiv an. Früh gelangte seine Dame nach h4, die lange Rochade gefolgt vom Bauernhebel c5 untermauerten hingegen seine Ambitionen am Damenflügel. Doch nach und nach wurden seine Figuren zurückgedrängt und plötzlich stand Max mit all seinen Figuren auf der 7. und 8. Reihe. Als kurze Zeit später noch eine Qualität verloren ging, schien das Match gelaufen. Doch Max kämpfte weiter und wurde belohnt. Ein taktisches Übersehen des Gegners und plötzlich hatte Schwarz einen Bauern mehr. Als die Zeit knapp wurde, entschied sich Max gegen den Abtausch der Leichtfiguren, das Turmendspiel wirkte schwierig zu gewinnen. Doch der weißer Springer erwies sich dem schwarzen Läufer als klar überlegen und als beide Spieler schließlich doch im Turmendspiel landeten, hatte Max keinen Bauern mehr, sondern zwei weniger. Kurze Zeit später stand die Aufgabe und die Erkenntnis, dass nach vier Teilnahmen in Folge die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr ohne Max stattfinden wird.

Dennoch dürfen wir ganz fest davon ausgehen, dass Max und Tom zurückkommen und noch in diesem Jahr weitere starke Turnierergebnisse erzielen werden. Die Saison geht schließlich jetzt erst so richtig los, während im ersten Halbjahr nicht gespielt werden konnte, hoffen wir auf deutlich mehr Turniere in den kommenden Monaten. Unter anderem steht für die U16-Mannschaft des TuS Varrel im September eine Reise zur Norddeutschen Meisterschaft in Berlin an.
Aber davor drücken wir alle Justus die Daumen auf der Deutschen U12-Einzelmeisterschaft.

Von Mouseslips und der Frage, ob der Bauer vergiftet war